Dienstag, 11. Januar 2011

New York, 1960 – Der Anzug sitzt.

Die US-Serie Mad Men zeigt dir zwei Szenen lang die Illusion einer heilen Welt, nur um in sie der dritten zerbrechen zu lassen. Dieser Zyklus steht exemplarisch für das Leben der zentralen Figur Don Draper, einem Werbefachmann im New York der 60er Jahre. Zwischen den Scheinwahrheiten und Verkaufsslogans seiner Kreativarbeit, dem beklemmenden Vorstadtleben und der zerbrechenden Ehe, den gesellschaftlichen Konventionen der 60er und der Flucht vor der eigenen Vergangenheit – zwischen all dem versucht Draper die Illusion einer heilen Welt Aufrecht zu erhalten. Am Schönsten ist die mehrfach prämierte Serie genau dann, wenn sie durch ihre feinfühlige Bildsprache und exzellenten Dialoge den Blick auf das Innenleben ihrer Charaktere freigibt. Ohne ihre maßgeschneiderten Designeranzüge erhalten diese nämlich in ihrer Zerbrechlichkeit, ihrer Suche nach Nähe etwas zutiefst Menschliches. Dies können wir als Zuschauer im Heute wortlos nachvollziehen, und so hat Szene Drei oft auch etwas Erfüllendes, ja geradezu Kathartisches. Und nebenbei natürlich das Verlagen nach Szene Vier.

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Aus: TRAFFIC, Dezember 2010

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