Montag, 6. Dezember 2010

Solomon Burke - Ein Nachruf.

Solomon Burke, der King of Soul, war eigentlich gelernter Leichenbestatter. »Ich bin der Letzte, der dich anschaut und der Erste, der dich wieder aufrichtet«, verkündete er einmal. Solche Sätze sagte er oft, und ließ sie stets wie Balladen klingen. Aber das lag nahe, schließlich vereinte der Mann mit seinem gelernten Beruf noch eine höhere Berufung, nämlich das Predigen durch Musik. Spiritualität und Sinnlichkeit, Göttliches und Weltliches – sie lagen bei Solomon Burke eng beieinander.

Der schwergewichtige Sänger inszenierte sich bei seinen Shows gerne auf einem goldenen Thron, mit einem Zepter in der Hand und einem Hermelinmantel. Jemand, der sich täglich mit dem Tod beschäftigt, der genießt das Leben umso mehr – so ähnlich könnte man Burkes Lebensphilosophie deuten. Er war der Vater von 21 Kindern. Aber Burkes manchmal merkwürdig oder mysteriös anmutendem Schaffen lag nichts anderes zugrunde als Leidenschaft und göttliche Verehrung. Bis zuletzt war er auf jeder Bühne auch als Prediger aktiv. Und in seinen Liedern, geprägt von seinem sinnlichen, warmgeformten Bariton, wechselte sich die Good-Feeling-Hymne mit Herzschmerz-Dichtung und göttlicher Lobpreisung ab.

Wie bei vielen schwarzen Sängern begann seine Karriere im Kirchenchor. Bald darauf wurde er zum »Wonder Boy Preacher«. So nannte man ihn, da er es bereits als kleiner Junge verstand, die Gemeinde in seinen Bann zu versetzen. Bereits in den 50ern, lange bevor sich die Musik von Motown und Stax zum Großgeschäft mit der Eroberung der weißen Hörerschicht etablieren sollte, versuchte Burke sein Glück als Sänger einer Band. Er landet einen Vertrag beim kleineren New Yorker Label Apollo Records, bekannt für Blues- und Gospelstücke. Mit seiner Vielzahl an Ideen und der Offenheit für neue Stilrichtungen erhielt Burke bei Apollo allerdings kaum Unterstützung. Seine ersten Stücke blieben erfolglos.

Erst als er 1960 bei Atlantic Records unterschrieb, wurde ihm mit Bert Berns ein Produzent zur Verfügung gestellt, der seine Experimentierfreudigkeit perfekt ergänzte. Dementsprechend wurde der erste Hit, »Just out of Reach«, das Cover eines Country-Songs. Als erfahrener Spiritual- und Gospel-Sänger mit der Lust auf neuen Rhythmen landete Burke in der vorderen Riege des Soul, der sich Ende der 50er Jahre bei Atlantic Records bildete, und begann in seiner Karriere weitere Stilrichtungen zu erkunden. Aber trotz folgender Hits (allen voran das wohl bekannteste »Cry to Me«) blieb er weitgehend im Schatten anderer Soul-Künstler wie Sam Cooke oder Otis Redding (der jedoch mit »Down in the Valley« einen seiner Songs coverte). Auch sein eher langsames »Everybody Needs Somebody to Love« erlangte durch die Rock’n’Roll-Cover der Rolling Stones und der Blues Brothers deutlich mehr Aufmerksamkeit.

Ende der 60er Jahre verließ Burke Atlantic Records und ging im aufgehenden Glitzerlicht der Disco-Ära unter. Mehrmals zog er sich aus der Musik zurück. Erst mit dem 2002er Grammy-prämierten Album »Don’t Give Up on Me« gelang ihm ein Comeback. Leute wie Eric Clapton oder Elvis Costello arbeiteten mit ihm, und einzelne Lieder fanden in den 90ern auch im Hip Hop Verwendung (auf »The Chronic« von Dr.Dre, ebenso bei Ice Cube und Ghostface Killah).

Für Burke zählte, egal ob zu Erfolgszeiten oder nicht, dass Gott über allem stand. »Er will, dass wir die Musik genießen, bevor es zu spät ist«. Wieder so eine Ballade, nach der er sein Leben lebte – zwischen Sinnlichkeit und Spiritualität. Solomon Burke starb am 10. Oktober 2010.

---

Aus: hhv.de, 4. Quartal 2010

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen