Donnerstag, 30. Dezember 2010

Aloe Blacc - Good Things.

Wenn Bushs Amerika die Musik rebellischer machte, so hört sie sich unter Obama nachdenklicher an. Auf die rüpelhaften Meinungsmacher des Rock und Pop folgt, gerade im Soul, eine sozialkritische und geheimnisvolle Stimme à la Dwele, Erykah Badu oder eben Aloe Blacc. Sein neues Album »Good Things« sei nach dem Multi-Genre-Ausflug »Shine Through« rein dem Soul gewidmet, verkündet der Kalifornier, und beseelt uns mit einem Cover von Velvet Undergrounds »Femme Fatale« auf einfühlsam romantische Weise. Die Texte verbinden gesellschaftliche Makrothemen mit persönlichen Geschichten, erzählen von einer Finanzkrise (»Miss Fortune«, »So Hard«), ergebnisloser Politik (»Politician«) und dem immer anhaltenden Traum, es vom Tellerwäscher zum Millionär zu bringen. Der Opener »I Need a Dollar« handelt vom Schicksal eines Angestellten, der entlassen wird und seine Probleme im Alkohol ertränkt. Als Titelmusik der HBO Fernsehserie »How to Make It in America« um zwei Semi-Dropouts mit kulturindustriellen Karriereträumen in New York wurde der Track rasch zum Abbild der strauchelnden Selfmade-Generation.

In Blaccs Musik manifestiert sich die Erinnerung an die feinfühligen Balladen aus den Hochzeiten von Motown und Stax. Im Refrain folgt auf den Call immer noch die Response und Rhythmik und Melodien funktionieren fernab von jeglicher Hektik des modernen Pop. Letzteres ist auch der ausgezeichneten Begleitband The Grand Scheme zu verdanken, die gemeinsam mit dem Künstler das Album nahezu komplett live eingespielt hat. Mit Stones Throw aus Los Angeles hat Aloe Blacc zudem ein geeignetes Independent-Label gefunden, um in seinem Wirken experimentierfreudig zu bleiben.

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Aus: Skug, Dezember 2010

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