Dienstag, 28. September 2010

20 Jahre Ninja Tune.

Mit einem Box-Set voll neuer Musik und einer Tour feiert Ninja Tune Jubiläum. Coldcuts Matt Black, 49, reflektiert über Labelkonzept, Umweltschutz und Lautstärke der Snare Drum.

Ninja Tune gibt es seit 20 Jahren. Wieso seid ihr nach dem Hype um Trip Hop nicht im Sumpf banaler Lounge-Musik Compilations versunken?

Weil wir damals reagierten, als Trip Hop plötzlich im Coffee-Shop um die Ecke und auf Parties von Londoner Bankern lief. Was uns bis heute auszeichnet, ist eine kreative Rastlosigkeit; musikalisch nur in eine Richtung zu funktionieren war uns immer schon zu eintönig. Außerdem herrscht bei Ninja Tune ein Misstrauen gegenüber jeglicher Kommodifizierung.

Wie übersteht man mit einem alternativen Labelprojekt abseits vom Mainstream Krisenzeiten?

Das ist unserem Managing Director Peter Quick zu verdanken, der wirtschaftliche Strategien an die Kreativität des Labels angepasst hat. Unser Erfolg gründet darauf, dass wir unsere Künstler ernst nehmen und ihnen kreative Freiheit lassen. Dafür sind wir belohnt worden. Ninja Tune ist mitverantwortlich dafür, dass der A&R heute kein koksender Jungmanager mehr ist, der dir sagt: „Mach mal die Snare Drum lauter“.

Als Coldcut nehmt ihr euch politischer und ökologischer Themen an. Werdet ihr die Ölpest im Golf von Mexiko audiovisuell verarbeiten?

Ja, in einem Segment der Energy Union-Tour, mit der wir uns für alternative Energien aussprechen. Gefallen hat mir übrigens die Aktion von Greenpeace, für BP ein neues Logo zu designen. Als Coldcut stehen wir für dieses Subvertising gegenüber dem Advertising. Das solche Aktionen Wirkung zeigen lehrt uns die Geschichte. Musiker haben nicht nur einen Soundtrack zur Revolution beigesteuert, oft haben sie diese mit entfacht.

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Aus: Groove, September / Oktober 2010

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